Röhrenverstärker Selbstbau


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EL 12 mit Klangregler

Schaltpläne

Stereo Röhrenverstärker mit Klangregelung und 8 Watt pro Kanal - mit EL 12 N Röhren

Im Sinne der reinen Lehre aller Highend-Götter sind Klangregler ein "No Go". Gedrehte Phasen und ein verbogener Frequenzgang, stehen im Widerspruch zum reinen Hifi - Gedanken. Das stört ambitionierte Musikfreunde oft überhaupt nicht. Grade wenn Musik nur leise Wiedergegeben werden kann (Uhrzeit und Nachbarn) wünscht sich mancher Hörer eine dezente Anhebung der Bässe und der Höhen.

Rein vom Aufwand ist es fast unerheblich ob der Verstärker mit EL 84 oder der EL 12 aufgebaut wird. Letztere weicht klanglich auf angenehme Art und Weise vonder EL 84 ab, und liefert beiläufig fast die doppelte Ausgangsleistung.


Verschiedene EL 12 Röhren

Die EL 12 Röhren-Familie. Im Hintergrund Originale der von Telefunken gefertigten Röhren EL 12 (links) und eine Röhre EL 12 spez. Im Vordergrund die EL 12 N aus DDR Produktion. Diese Röhre wurde auch oft umgelabelt, so z. B. mit dem Aufdruck "Siemens". Heute ist zum kleinen Preis nur noch die EL 12 N erhältlich - alle anderen Ausführungen liegen preislich jenseits von gut und böse.

Optimal zu betreiben ist diese Röhre in SE mit 250 V Anodenspannung und einem 100 Ohm Kathodenwiderstand sowie einem Ra von 3500 Ohm. Eine Variante mit Ra = 5K haben wir ausprobiert, wobei man eine höhere Anodenspannung
von rund 300 V braucht und 150 - 180 Ohm in der Kathode. Wichtig ist die zulässige Anodenverlustleistung nicht überschritten wird. Im genannten Fall ist dann ein Anodenstrom von 60 mA max. zulässig.


Der Klassiker als Vorstufenröhre war in Verbindung mit der EL 12 die EF 12 - heute steht meist in der Preisliste der üblichen verdächtigen Händler "Call" wenn es um die Beschaffung dieser NOS-Röhre geht. Auf der anderen Seite liegen noch wahre Schätze an Röhren in den Lagern, die darauf warten auch "klanglich" gehoben zu werden. Diese Röhren waren früher mal die Bestückung profaner alter Radios und Funkgeräte und sie sind oft nach engen "MIL" Spezifikationen hergestellt worden.

Statt der EF 12 also etwas anderes. Hier ist es die EF 39 - und spätestens damit geht das Stirnrunzeln beim Kenner los, weil es erstens eine "Regelröhre" ist, sie zweitens den Gitteranschluss oben auf dem Kolbendom hat und drittens - ja überhaupt ein Wohlklang nur möglich sein soll, wenn Telefunken drauf steht und ein erlesenes Bankkonto eine Zugangsberechtigung zum Erwerb der Prätiosen schafft. Stürzen wir uns also auf unbekannte NOS - Röhrentypen, und lassen die Eliten unter den Audioliebhabern dreistellige Preise für eine geheiligte EF12 bezahlen.

Verpackung Militärröhre

Original aus dem Jahr 1945. In dieser Qualität ist die EF 39 noch zu haben, wahlweise aber auch von Mullard. Hier dürfen bei sonst gleicher Bestückung auch die EF9 und die EF 41 verwendet werden. Die beiden letzteren wurden definitiv auch in Radiogeräten als NF-Verstärker verwendet.

Hier liegt der Gitteranschluss oben. In der Praxis ist das kein Problem, wenn man richtig damit umgeht und eine abgeschirmte Leitung zum Anschluss des Gitters verwendet.

Die EF 39 ist eine astreine NF-Verstärkerröhre!
Völlig übersehen hat hier der Hifi-Adel das diese Röhre doppelt optimiert wurde - für HF und für NF. Ein kleiner Hinweis aus dem Datenblatt der EF 39 erklärt es...


Ausschnitt Datenblatt

Mikrofoniearm deshalb, weil sie auch für NF-Anwendungen gedacht war - hinter dem Demodulator eines Radios. Das es eine Regelröhre ist, bedeutet nur das Ihr am Gitter eine Regelspannung von bis zu -25 V zugeführt werden konnte, mit der über den Umweg der Verstärkungsregelung der "Fadingsausgleich" beim Empfang von AM-Sendern hergestellt wurde. Dabei ändert sich die Steilheit der Röhre - sprich die Verstärkung. Das nächste Datenblatt macht deutlich in welcher Einstellung die EF 39 als NF - Röhre betrieben werden will. Die Spalte mit den Regelspannungen die dort angegeben sind (Vc, -V), blenden wir mal aus.

EF 39 Daten als Audio Verstärker

Die oberste Zeile ist bewusst unterstrichen weil das die Grundeinstellung unserer EF 39 wurde. Hier liegt der Klirrfaktor nicht höher als bei einer Triode ECC 83, bei vergleichsweise höherer Verstärkung. Dadurch das eine Gegenkopplung ohnehin vorgesehen ist kommt die EF 39 auch bei höherer Aussteuerung nicht in die Verlegenheit schnell zu verzerren. Ein anderer Vorteil ist das der hohe Verstärkungsfaktor der einen weitgehenden Einsatz der Gegenkopplung erlaubt. Das die nachfolgende EL 12 N nur mit 4,5 V am Gitter 1 für Vollausteuerung auskommt und dabei 8 Watt abgibt (etwa 5 sind es bei der EL 84) macht die beiden Röhren im Gesamtkonzept mit starker Gegenkopplung wieder stimmig, denn normalerweise liefert die EF 39 viel mehr an Verstärkung als es die EL 12 N benötigt, vor allem wenn man von Bezugspegeln im Bereich 0,775 - 1 V am Eingang ausgeht.

Schluss mit der Vorrede hier die Schaltung des Verstärkers.

Schaltbild Verstärkerteil

Hier liegt die Klangregelung in der Gegenkopplung zwischen der Sekundärseite des Übertragers und der Vorstufe. Wenn Sie nicht gewünscht ist, kann auf "Flat" umgeschaltet werden. In dieser Schalterstellung arbeitet die Gegenkopplung frequenzunabhängig.


Wird auf "Tone Control" umgeschaltet, läuft die Gegenkopplung über das Klangregelnetzwerk. Die Frequenzbereiche die dieses Regelnetzwerk bis zur Vorstufe "durchlässt" treten im Klangbild hinter den anderen (Gegenkopplung) zurück. Wenn also der Bassbereich besonders hervorgehoben werden soll, dann müssen die Bässe daran gehindert werden, den 220 Ohm Widerstand an der Kathode der EF 39 zu ereichen. Entsprechend steigt die Verstärkung im Bass an. In der gezeigten Stellung des Schleifers am Bass-Regler werden überwiegend die mittleren Frequenzen gegengekoppelt - ergo der Bassbereich verstärkt wiedergegeben. Der 220 nF Kondensator, wirkt mit seinem frequenzabhängigen Blindwiderstand für die niedrigen Frequenzen des Bassbereiches quasi als "Bremse". Wird der Schleifer des Basspotis nach links gestellt kann der gesamte Frequenzbereich inklusive der niedrigsten Frequenzen ungehindert das Klangregelnetzwerk bis zur Kathode der EF 39 erreichen. Da entsprechend in der Phase gedreht, werden jetzt auch die niedrigen Frequenzen gegengekoppelt, weniger verstärkt und treten im Klangbild zurück.

Im Hochtonbereich wirkt die Kombination 100 nF / 2,2 K als "Kurzschluss" gegen Masse, wenn der Schleifer des Hochtonreglers so steht, wie er hier gezeichnet ist. Da nun die hohen Frequenzen nicht mehr gegengekoppelt werden. treten sie stärker hervor.

Hier das Netzteil. Der Einsatz der Drossel ist hier alternativ möglich aber nicht zwingend. Wer es macht kann die Kapazität der beiden Elkos auf gut 100µF reduzieren.

Netzteil

Die EF 39 wird mit Gleichstrom beheizt, was erheblich dazu beiträgt Störgeräusche zu mindern. Wie immer bei meinen Aufbauten gehört der Schutzleiter des Netzkabels an Masse. Die beiden EL 12 N werden direkt aus der Heizwicklung versorgt. Statt dem ungewöhnlichen Wert von 60 Ohm können auch 100 Ohm für die Symmetrie-Widerstände verwendet werden.

Wichtig ist hier, die Masseführung, denn hier ist viel Verstärkung durch die Pentode gegeben. Da das Gitter der Röhre EF 39 auf dem Kolbendom liegt muss die Zuleitung abgeschirmt werden. Diese Abschirmung ist nur einseitig mit der Stufenmasse zu verbinden. Der eigentliche "Gitterclip" wird sonst bei anderen Röhrentypen als Anodenclip verwendet.

Die gestrichelte Linie rund um die EF 39 deutet an, das diese Röhre ihre Abschirmung selbst mitbringt. Sowohl die Metallisierung des Kolbens wie auch der Metallring um den Sockel sind daran angeschlossen. Hierfür ist ein Sockelkontakt verhanden der diese Abschirmung und Gitter 3 zusammenführt. Idealerweise gehören hier die Kathodenwiderstände, der Gitterwiderstand und die beiden Kondensatoren von Gitter 2 der EF 39 angeschlossen.

Hier die "Point to Point" Verdrahtung im Auschnitt. Ganz wichtig sind hier kurze Verbindungen der Bauteile zu den Röhrenfassungen. In der letzten Zeit sehe ich immer wieder das Lochrasterplatten für den Aufbau der Schaltung jenseits der Röhren verwendet werden und lange Kabel zu den Fassungen führen. Das wird schiefgehen, mit einem solchen Aufbau ist kein Röhrenverstärker zu bändigen - No way!

Die Regler von links nach Rechts: Umschalter Flat/Tone Control, Lautstärkeregler, Höhen und Bässe. Die Regelmöglichkeiten geben eine Anhebung der Bässe und eine Absenkung und Anhebung der Hochtonlage her. Besonders bei geringeren Lautstärken ist das sehr sinnvoll. Der Verstärker leistet 2 x 8 Watt Sinusdauerton. Mit dem von uns angebotenen großen Übertragen (Kern EI 105, Gewicht um die 4 Kg das Stck.) bleiben kaum Wünsche offen. In Stellung Flat waren bei 1 Khz Klirrfaktoren zwischen 1,5 und 2,6 % (bis zur Hälfte der Ausgangsleistung) zu messen. In diesem Bereich werden 30 - 20.000 Hz ohne Einbußen an Linearität dem Lautsprecher zugeliefert.

Bei Verwendung anderer Übertrager muss eventuell am Bassregler der 220 nF gegen einen anderen Wert getauscht werden, denn nur wenn der Übertrager eine niedrige untere Grenzfrequenz bietet, stellt sich das Ergebnis so dar, wie hier angegeben.

Die amerikanische 6K7 kann 1:1 verwendet werden. Die EF 9 auch jedoch muss ein Außenkontaktsockel dafür eingebaut sein. Verblüffent für andere "Röhrenfreaks" die noch nicht so lange dabei sind, ist hier meist die Bauform, denn am Kolbendom wird meist die Anode vermutet.

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